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Buurtzorg wird von der FH Münster und Hochschule Osnabrück evaluiert

Münsterland. In den Niederlanden hat Buurtzorg bereits einen enormen Erfolg. Aber: Funktioniert das auch in Deutschland? Das wollen die FH Münster, die Hochschule Osnabrück und das Netzwerk Gesundheitswirtschaft Münsterland e.V. (GeWi) mit Förderung des GKV Spitzenverbandes jetzt gemeinsam herausfinden.

Die Pflegenden arbeiten in den Buurtzorg-Teams völlig selbstbestimmt in kleinen Gruppen, in enger Zusammenarbeit mit den sozialen Bezugssystemen der Klient*innen. Die Abrechnung erfolgt bei den Buurtzorg-Teams nicht wie in Deutschland üblich nach Leistungskomplexen, sondern nach Zeitfenstern. So bleibt mehr Zeit für die konkreten Bedürfnisse der Pflegebedürftigen.

Das Projekt „Buurtzorg Evaluation“ wird vom Netzwerk Gesundheitswirtschaft Münsterland e.V. federführend begleitet. Geschäftsführerin Monique Bruns: „Eins zu eins lässt sich das niederländische Modell nicht anwenden, dazu sind die rechtlichen Rahmenbedingungen zu unterschiedlich.“ In Deutschland gebe es bisher andere Finanzierungslogiken als in den Niederlanden. Den Krankenkassen sei es aus rechtlichen Gründen nicht möglich, von heute auf morgen das System zu ändern. „Aber genau da setzen wir an: Diese wissenschaftliche Evaluation, die wir hier in NRW vorhaben, kann dazu beitragen, eine Änderung herbeizuführen.“

Die Erfahrungen aus den Niederlanden und aus dem Münsterland wecken einen positiven Eindruck. Professor Andreas Büscher, Professor für Pflegewissenschaften an der HS Osnabrück sagt dazu: „Buurtzorg kann – wie andere Initiativen auch – einen wichtigen Innovationsimpuls setzen, den Aufbruch zum Neuen mitzugestalten.“ Jetzt gehe es darum, das Modell auf wissenschaftlicher Ebene mit dem traditionellen ambulanten Pflegemodell zu vergleichen und zu evaluieren. „Wir möchten Erkenntnisse über ein neues Arbeits- und Organisationsmodell gewinnen und die Kompatibilität mit dem geltenden System der ambulanten Pflege in Deutschland auf Ebenen der Leistungsgestaltung, -finanzierung und der Qualitätssicherung der Pflege erforschen“, erklärt Prof. Rüdiger Ostermann, Dekan des Fachbereichs Gesundheit der FH Münster. Das Kick-Off-Meeting des Projektes „Buurtzorg Evaluation“ fand am 30. Januar 2020 in Münster statt.

Sollten die Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation nach Vollendung der angedachten drei Projektjahren für das Buurtzorg-Modell in Deutschland positiv ausfallen, sind Änderungen im System durchaus denkbar. Denn der Bedarf nach einem guten ambulanten Pflegemodell ist da. Was übrigens auch der GKV-Spitzenverband so beurteilt und das Projekt im Rahmen des Modellprogramms zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung fördert. Prof. Büscher fasst es so zusammen: „Ziel ist es, den Pflegenden wieder den Raum zu geben, das zu tun, was sie anfangs veranlasst hat, den Beruf zu ergreifen: Die Pflege!“